Ein Reisetagebuch unseres Teams
Mittwoch, 20.05. – Anreise nach Venedig
Früh am Morgen trafen wir uns am Flughafen BER, voller Vorfreude auf die bevorstehende Reise. Gegen 14 Uhr landeten wir schließlich in Venedig. Parallel dazu war bereits am Dienstag ein Team mit dem Kirchboot der Friesen (Finn for Fun) gestartet und hatte die rund 1300 Kilometer lange Strecke mit dem Bootstransport zurückgelegt. Noch vor unserer Ankunft wurde das Kirchboot auf dem Lido in einem Hafenbecken zu Wasser gelassen.
Am Abend gingen wir gemeinsam mit 16 Personen typisch italienisch essen. Dazu gab es natürlich den ersten Spritz Select der Reise, der perfekte Auftakt für eine besondere Woche.
Donnerstag, 21.05. – Erste Ausfahrt auf der Lagune
Am Vormittag fuhren wir mit dem Vaporetto, dem venezianischen Wassertaxi, zum Lido. Unser Boot lag im Hafen von Malamocco und musste zunächst seetauglich gemacht werden. Anschließend starteten wir zu unserer ersten Ausfahrt. Unsere Mannschaft setzte sich neben mir aus Sportlern der Vereine FRV, TV Waidmanslust, Turbine und Lübeck zusammen. Die Strecke führte uns etwa neun Kilometer Richtung Süden bis zum Forte Santo Stefano. Dort fanden wir ein kleines Lokal direkt am Wasser und genossen Bier, sehr guten und erstaunlich günstigen Weißwein sowie Spritz Aperol und Select. Auf dem Rückweg machten wir noch einen Abstecher auf die Adria bei San Pietro in Volta. Dort konnten wir das Hochwasserschutzsystem MOSE bestaunen, dessen Bauwerke teilweise sichtbar über dem Wasser lagen. Insgesamt ruderten wir an diesem Tag rund 23 Kilometer. Das Wetter war durchgehend sonnig, die Wellen mal ruhiger, mal kräftiger. Besonders angenehm war, dass die Motorbootfahrer in Venedig sehr rücksichtsvoll unterwegs waren und versuchten, möglichst wenig Wellengang zu verursachen.
Freitag, 22.05. – Venedig entdecken
Am Freitag stand die Stadt selbst im Mittelpunkt. Gemeinsam erkundeten wir Venedig und besuchten am Nachmittag den Campanile di San Marco. Von oben bot sich uns ein beeindruckender Blick über die gesamte Stadt und die umliegenden Inseln. Ein besonderes Erlebnis war der Glockenschlag um Punkt 17 Uhr direkt über unseren Köpfen, ein einmaliges Ambiente.
Am Abend fuhren wir noch auf den Markt, kauften frischen Fisch und kochten gemeinsam mit einem Teil der Mannschaft ein leckeres Abendessen. So ließen wir den Tag entspannt ausklingen.
Samstag, 23.05. – Die Startnummer kommt doch noch
Erneut starteten wir vom Hafen auf dem Lido. Diesmal ruderten wir etwa zehn Kilometer Richtung Norden bis zum Torre Massimiliana auf der Insel
Sant’Erasmo. Dort landeten wir mitten im Schlick an und machten eine gemütliche Pause mit Spritz Select und unseren mitgebrachten Broten.
Zurück im Hafen hatten wir rund 20 Kilometer in den Armen. Zusätzlich mussten wir uns einen neuen Liegeplatz suchen, da wir versehentlich mit unserem langen Kirchboot einen privaten Anleger blockiert hatten. Nach vielen Gesprächen mit Einheimischen fanden wir schließlich nur wenige Meter weiter einen perfekten Platz direkt gegenüber der Slipanlage, der uns bis zur Abreise treue Dienste leisten sollte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir allerdings noch immer keinen offiziellen Startplatz für die Vogalonga erhalten, da es Probleme bei der Anmeldung gab. Am Samstagabend ließen wir deshalb bei der Regattaleitung erneut unseren Charme spielen. Zeitgleich traf einer unserer Mitfahrer auf einem Wassertaxi eine Österreicherin, die zwar eine Startnummer, aber kein Boot hatte.
Am späten Abend kam dann die Überraschung, wir erhielten doch noch eine eigene Startnummer, die Nummer 1006. Zusätzlich bekamen wir auch noch die Startnummer der Österreicherin, die im Gegenzug bei uns mitrudern wollte. Erst keine Nummer und plötzlich gleich zwei, was für eine Wendung!
Sonntag, 24.05. – Vogalonga 2026
Der große Tag begann früh. Bereits um 5:30 Uhr machten wir uns durch das morgendliche Venedig auf den Weg zur Fährhaltestelle San Marco, um zu unserem Boot auf dem Lido zu gelangen. Mit unserer eigenen Startnummer 1006 und einem voll besetzten Boot ruderten wir zunächst Richtung Startbereich am Markusplatz. Auf dem Weg wurden noch kleinere Reparaturen und Einstellungen am Boot vorgenommen.
Vor dem Markusplatz bot sich ein beeindruckendes Bild, Tausende Boote, Ruderer, Paddler und verschiedenste Wasserfahrzeuge warteten auf den Start. Punkt 9 Uhr ertönten die beiden Kanonenschläge von San Giorgio Maggiore, die Vogalonga begann. Unser Steuermann Jens Sparmann vom FRV meisterte die Situation hervorragend. Mit unserem 16 Meter langen Kirchboot bahnten wir uns den Weg durch die Menschenmassen auf dem Wasser. Immer wieder mussten wir anderen Booten ausweichen oder stoppen, da viele Paddler wenig auf den übrigen Verkehr achteten.
Der erste große Stau entstand bereits nach wenigen Kilometern im Canale delle Navi. So viele Boote waren unterwegs, dass wir uns nur langsam vorwärts bewegen konnten. Die Strecke führte weiter entlang von Sant’Erasmo bis Richtung Burano. Dort wurde es nicht nur immer voller, sondern auch immer heißer. Vor Burano mussten schließlich einige von uns aussteigen und das Kirchboot über eine Sandbank schieben. Dabei versanken wir bis zu den Knien im Schlick, bei der Hitze eine echte Herausforderung. Später entstand im Kanal von Mazzorbo erneut ein riesiger Stau. Für Aufregung sorgte zusätzlich ein aggressiv fahrendes Wassertaxi, das beinahe mehrere Boote rammte. Schnell schlossen sich alle Wassersportler zusammen und beschimpften den Fahrer lautstark, ein chaotisches, aber irgendwie auch amüsantes Schauspiel.
Nach einer weiteren Pause ging es über die offene Lagune Richtung Canal Grande. Dort erwartete uns der größte Stau des Tages. Viele Teilnehmer nahmen kaum Rücksicht, die Stimmung wurde hitzig und emotional. Teilweise lagen Boote quer im Kanal, sodass kaum noch Bewegung möglich war. Taucher im Wasser halfen schließlich dabei, die Boote zu ordnen und kontrolliert in den Canal Grande einfahren zu lassen. Die Fahrt durch den Canal Grande war ein absolutes Highlight. Überall jubelten Zuschauer am Ufer, und die Atmosphäre war einzigartig. Drei Kilometer lang genossen wir diesen besonderen Moment mitten im Herzen Venedigs.
Zurück am Markusplatz erreichten wir schließlich das Ziel. Dort erhielten wir unsere Medaillen und die Urkunde, außerdem Wasser und Bananen zur Stärkung. Besonders hilfreich war unser „Kielschwein“ vorne im Boot, Jule lotste uns geschickt durch die engen Situationen und sorgte immer wieder für freie Fahrt und beruhigte die Emotionen der anderen, eine große Entlastung für den Steuermann. Jule saß vorher noch nie in einem Ruderboot., was sich aber paar Tage später ändern sollte.
Nach sieben Stunden reiner Fahrzeit und rund 40 Kilometern auf dem Wasser erreichten wir erschöpft, aber glücklich unseren Hafen. Den Abend ließen wir bei Pizza, Bier und Spritz Select gemütlich ausklingen.
Die Vogalonga war eine unvergessliche Erfahrung, die unser Team noch enger zusammengeschweißt hat.
Montag, 25.05. – Erholungstag
Nach den Strapazen der Vogalonga ließen wir es ruhiger angehen. Wir frühstückten ausgiebig, erkundeten weiter die Stadt und besichtigten den beeindruckenden Dogenpalast.
Dienstag, 26.05. – Letzte Ausfahrt
Am Dienstag stand unsere letzte Tour in Venedig an. Einige Ruderer waren bereits abgereist, dafür stiegen nun einige Begleiter und Zuschauer mit ins Boot.
Mit sportlichen Grüßen
Konsti



